Kinderrechte, demokratisch durchexerziert.

Deutschland hat gestern den Vorsitz über den UN-Sicherheitsrat übernommen, eine unglaublich wichtige Sache, weil der Sicherheitsrat ja so unglaublich wichtig ist (Resolutionen und so weiter). In den deutschen Medien begeistert aufgenommen wurde eine Resolution zum Schutz von Kindern in Kriegsgebieten.

Wenn man möchte kann man dieser Resolution gleich mehrere Zynismen über den Umgang demokratischer Staaten mit dem globalen Menschenmaterial entnehmen, das möchte natürlich Westerwelle nicht und die deutschen Medien (außerhalb Deutschlands war das kaum eine Meldung wert) trauen sich höchstens zaghaft dazu aufzufordern, dass den Worten Taten folgen müssten.

Der erste Zynismus ist, dass der Resolution eben diese Taten kaum folgen werden. Zwar sind Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser nun ganz herrlich offiziell moralisch geächtet, dass aber ein Warlord, der mit Moral wohl kaum was anzufangen weiß, sich davon abschrecken lässt darf wohl bezweifelt werden. Auch wenn Westerwelle ganz großspurig ankündigt, dass auch der Warlord ganz persönlich geächtet, auf eine Liste geschrieben und nie wieder zu Staatsempfängen, zu denen er eh nicht kommen durfte, kommen wird. Das ist eine große Leistung.

Der zweite Zynismus der Kinderbehandlung versteckt sich dort, wo die Innenpolitik anfängt. Denn wo man in den weltweiten Elendsregionen auf dem Papier keinen Spaß versteht, wird das im Staatsgebiet Deutschlands schnell zur handgreiflichen Wahrheit. Wie die Antirassistische Initiative e.V. in einer Pressemitteilung (PDF) zur 18. Auflage ihrer Chronik zu bundesdeutscher Flüchtlingspolitik (die ganze Chronik findet sich hier) schreibt «werden auch 19 Jahre nach der Ratifizierung [der Kinderrechtskonvention, Anm. YS] immer noch minderjährige Flüchtlinge in Abschiebehaft genommen, unbegleitete Jugendliche bei der Einreise festgenommen und wegen ‹illegalen› Aufenthaltes zu Strafhaft verurteilt und Familien mit Gewalt getrennt.» Immerhin aber kriegen sie keine Kalaschnikow in die Hand gedrückt und ganze 68 Cent pro Tag zum Überleben.

Scheiß auf Kommunismus, die US-Army regelt das.

In einem mittlerweile etwas älteren Pamphlet äußert sich eine gruppe morgenthau «ideologiekritisch» zu dem «Mullahregime», «der Linken» und schlußendlich zum Eingreifen der US-Army.

«Worte ohne Antifa» werden da zusammengekratzt um das Regal mit irgendwas ohne alles zum Iran und der Herrschaft Ahmadinejads und der Mullahs sowie den Möglichen Gegenstrategien um 2 Seiten mehr zu füllen. Mit Antifa hat das nichts zu tun, das mag man den morgenthaulern zu Gute halten. Aber auch ansonsten hat das mit nichts was zu tun. Vollkommen unklar bleibt wer da nun angesprochen werden soll (wenn man von der Antifa [f] absieht) beim wem man «europäischen Friedensfundamtentalismus» festgestellt, oder besser diagnostiziert, hat. Was dann da nicht gesagt wird äußert sich in einem Schwall an Worten, dessen Verständnis wohl niemanden etwas angeht, zu Papier gebracht. Was denn da gesagt versteckt sich irgendwo zwischen dem moralisierenden Hasszeilen an irgendjemanden.

Das was da gesagt wird ist:

Aber machen wir uns nichts vor: Auch Ideologiekritik kann letztlich nicht mehr ausrichten, als all jene Ideologen ihrer unlauteren Motive zu überführen, die den Eingriff von IDF und US-Army zu verhindern trachten.

Sich keinesfalls des Eindrucks hingeben man hätte mit der Linken auch noch irgendwas zu tun scheint Ziel des Textes gewesen zu sein. Letzlich bleibt: Eine unverhohlene Kampagne für ein wenig mehr Imperialismus auf Erden. Man wünscht sich, wenn schon die Wahl zwischen Pest und Cholera hat, ganz überzeugt Pest mit Cholera zu bekämpfen. Alles andere wird mit «unlauter» abgetan. Bäm. Ganz viel Getöse um nichts. Und zu guter Letzt, ratet mal wo man solch wortgewaltige Forderungen nach Panzern und westlichen Werten wünscht? Richtig: in der Jungle World.

Aufständischer, unpolitscher Dreck

«Radio Chiflado» macht sich an eine Chronik des «aufständischen Anarchismus», der wohl irgendwie toll ist. Dann zitieren die irgendjemanden, der ein ganz toller «aufständischer Anarchist» ist. Und der sagt das:

Aufstände, auch und gerade die gewalttätigen, erregen nicht nur Aufmerksamkeit und öffentliches Interesse für ihr Anliegen, sondern informieren und bilden, mehr als es 1000 Bände Lehrschriften tun können und führen die Menge für die Ziele der Revolution zusammen. Der lehrende Zweck kann nie auch nicht durch Plakate oder Veranstaltungen ersetzt werden.

Wenn man diesem Anarchisten folgen will, und das tun die RadiomacherInnen, distanzieren sich jedenfalls keinesfalls oder äußern sich wenigstens kritisch, dann sei es also damit getan durch die Weltgeschichte zu reisen und fleißig Krawall hier, Randale dort und vielleicht noch einen Königsmord da zu planen und auszuführen und die Revolution ist in Butter. Das klingt, zugegebenermaßen, reichlich verlockend. Der einfachste Gegenbeweis ist das Scheitern. Aber auch ohne denen braucht man schon eine gewaltige Menge Vertrauen in die erklärende Kraft einer brennenden Mülltonne und mehr noch eine an Narretei grenzende Verleugnung der Überzeugung mit der sich die Menschen an der Aushandlung und Versöhnung gesellschaftlicher Widersprüche beteiligen. Schließlich wird man von Kindesbeinen an dazu gebracht sich möglichst konstruktiv, wenn überhaupt, in die Belange dieser Gesellschaft einzubringen. Und das machen die Leute auch ganz brav. Selbst die, von manchen Linken gerne als kritische Avantgarde des BürderInnentums angeführten «linken GewerkschafterInnen» und ähnliche Verdächtige wissen noch an wen sie sich zu wenden haben: den Staat.

Die «aufständischen AnarchistInnen» (hier durchaus synonym zu gebrauchen für einen Gutteil der sich bewegenden Linken) denken jetzt diesen ganzen bürgerlichen Mist, der sich in die Hirne eingenistet hat könne man mit ein wenig Aufstand, wohlmöglich noch militant, ausräuchern. «Aufständische AnarchistInnen» sollte man dann folgerichtig bald bei allen möglichen Arten des Krawalls in der ersten Reihe sehen. Vielleicht auch mal 1000 Bücher verbrennen, die sind ja eh unnötig für die Kritik der Gesellschaft– brennen muss es.

Auch die Managerin ist eine Feindin.

Aus gegebenem Anlass einige Anmerkungen zur Gleichberechtigung und was sie in der Lage ist für die Frauen* zu tun

Die Deutsche Telekom ist die Speerspitze des bürgerlichen Feminismus. Warum? Weil sie die Frauenquote endlich eingeführt hat. Die Jubelstürme werden nicht auszuhalten sein, gilt die Quote doch tatsächlich als Siegeszug der Frauenbewegung. Dass sie nicht in der Lage ist den Frauen gegen ihre Unterdrückung zu wappnen, sondern im Gegenteil stets das Moment der Verschleierung in sich trägt soll im Folgenden gezeigt werden.

Die Gesellschaft in der wir leben ist von Grund auf eine hierachische, das macht sich an vielen Punkten fest, Gehorsamsstrukturen in Job und Schulen, eine nicht gebrochene weiße Dominanz in Meinungsbildung wie Repräsentanz sowie ein immer noch hierachisches Geschlechterbild zeigen dies beispielhaft auf verschiedenen Ebenen. Die Frauenbewegung hat sich angeschickt zumindest den Letzten, und in ihren schlaueren Auswüchsen auch die anderen, Punkt zu bekämpfen und sich somit ein schöneres Leben zu ermöglichen. Leider wurden die Debatten innerhalb der Frauen-, oder heute Queer-. bewegung oft unter Ignoranz anderer gesellschaftlicher Umstände geführt. Eben diese Ignoranz lässt es erklären, dass zum Teil komischste Theorie aufgestellt werden und zur Erfüllung dieser komischste BündnisgenossInnen ins Boot geholt wurden.
Die Gleichberechtigung ist ein Paradebeispiel dieser Forderungen. Die Quote für alles Mögliche wo Frauen noch nicht zum gerechten Prozentsatz x vertreten sind deren logischste Konsequenz. Aber es ist doch ein komischer Anspruch. Man versucht auf den, sich in rasender Fahrt, befindlichen Zug des kapitalistischen Erfolgs aufzuspringen und will sich vollkommen gleich gegen Männer durchbeißen.

Ein grundlegender Gedanke in den Anfangstagen der Bewegung war die Solidarität untereinander. Heute ist dieser dem des ökonomischen Erfolgs gewichen, der nie ein solidarischer sein kann. Und da ist auch die Sollbruchstelle des Ganzen. Was erwarten die Frauen, die sich hinter die Forderungen nach Quote etc. stellen, denn bitte was passiert? Dass die Differenz im Angesicht kapitalistischer Aneignungszüge plötzlich kuscheliger wird, weil nicht mehr Herbert sondern Emma den Posten der Verantwortlichen inne hat? Dass der Spruch »Die meisten Unternehmen werden von Männern geführt, man sieht ja wohin!« den wahren Kern bei der Art und Weise hat wie Männer nunmal sind und nicht in den Maximen kapitalistischer Produktion hat? Dass es den Frauen tatsächlich besser geht, nur weil ca. 1% von ihnen den per Quote zugewiesen Platz an der Spitze der kapitalistischen Pyramide finden?

Das ist alles grundfalsch. Tatsächlich ändert sich an der Ausbeutung des Großteils der Menschen nämlich gar nichts. Es gibt in den warenförmigen Beziehungen kapitalistischer Gesellschaften keinen Unterschied ob das Managment ein weibliches oder männliches ist, sie alle müssen weiter brav Arbeitsverträge mit denen abschließen, die gezwungen sind ihre Arbeitskraft auf den Markt zu tragen. Das Argusauge, das noch jede Position mit Argwohn betrachtet, nachzählt und im Zweifelsfalle eine wütende Depesche in Auftrag gibt scheint blind für solche bitteren wie banalen Fakten. Gleichberechtigung und verbesserte Karrierechancen helfen also höchstens einige, eh schon priveligierte, Frauen in höhere Ränge zu katapultieren, für den Großteil der Frauen sind sie höchstens ideologische Beruhigungspillen, im Regelfall eher Depressiva, da die gewünschte Stellung, der Erfolg in der Konkurrenz immer ein unerfüllbarer Wunschtraum bleiben wird. Weibliche role models hin oder her.

Des Weiteren trägt die Regelung über Gesetze oder sonstige Verordnungen immer die Gefahr der Verschleierung in sich. Sexistische Denkweisen der Menschen werden keineswegs kritisiert und widerlegt, sondern das Äußern in Wort und Tat dieser mit Sanktionen belegt. Die können von sozialer Ächtung, über Geld- bis hin zu Gefängnisstrafen reichen. Jemanden der von solcherlei Fehlern überzeugt ist können sie aber kaum von ihrem verkehrten Tun abbringen, je nach ideologischer Verblendung des Individuums gar das Gegenteil, also die Verstärkung, bewirken, da es ja offensichtlich schon nicht mehr erlaubt sei seine Grütze der Öffentlichkeit vorzustellen. Maskulinisten etwa haben staatliche Regelungen schon im Effeff ihrer Rechtfertigungen. Die Unterdrückung der Männer, die sich herbeihalluziniert wird findet gerade in staatzlichen Maßnahmen gegen die Unterdrückung der Frauen ihre Argumente, seien es Quoten oder Gender Mainstreaming.

Ein anderer Blindspot, der Forderungen immanent sind ist der die Kritik dessen zu vergessen was eigentlich anstehen würde wenn man sich um einen Feminismus auf Höhe der Zeit bemühen würde und das ist die Kritik des dichotomen in Mann und Frau gespaltenen Blickes auf die Geschlechter, das mit blutigsten Maßnahmen über die herzieht, die sich diesen normierenden Anstarren nicht unterwerfen können oder wollen. Dass es Männer und Frauen gibt muss schon anerkannt werden wenn man sich den gleichen Anteil für Männer wie für Frauen unter den Nagel reißen möchte.

Die Instanz gewordene Abteilung der Frauenbewegung macht sich damit zu willigen HelferInnen einiger weniger Individuen und deren marktwirtschaftlichen Erfolges. Nebenbei sorgen sie dafür, dass Unternehmen wie die Deutsche Telekom sich ganz einfach ein gutes von keiner moralischen Plage mehr geschundenes Gewissen zusammenschustern kann. Frauen* ist jedenfalls keineswegs damit geholfen wenn einige mehr ihrer zukonstruierten Schicksalsgemeinschaft in den Rang derer aufsteigen, die sie dann ausbeuten. Dann aber immerhin ganz gleichberechtigt ohne Rücksicht auf das Geschlecht zu nehmen.