Aufständischer, unpolitscher Dreck

«Radio Chiflado» macht sich an eine Chronik des «aufständischen Anarchismus», der wohl irgendwie toll ist. Dann zitieren die irgendjemanden, der ein ganz toller «aufständischer Anarchist» ist. Und der sagt das:

Aufstände, auch und gerade die gewalttätigen, erregen nicht nur Aufmerksamkeit und öffentliches Interesse für ihr Anliegen, sondern informieren und bilden, mehr als es 1000 Bände Lehrschriften tun können und führen die Menge für die Ziele der Revolution zusammen. Der lehrende Zweck kann nie auch nicht durch Plakate oder Veranstaltungen ersetzt werden.

Wenn man diesem Anarchisten folgen will, und das tun die RadiomacherInnen, distanzieren sich jedenfalls keinesfalls oder äußern sich wenigstens kritisch, dann sei es also damit getan durch die Weltgeschichte zu reisen und fleißig Krawall hier, Randale dort und vielleicht noch einen Königsmord da zu planen und auszuführen und die Revolution ist in Butter. Das klingt, zugegebenermaßen, reichlich verlockend. Der einfachste Gegenbeweis ist das Scheitern. Aber auch ohne denen braucht man schon eine gewaltige Menge Vertrauen in die erklärende Kraft einer brennenden Mülltonne und mehr noch eine an Narretei grenzende Verleugnung der Überzeugung mit der sich die Menschen an der Aushandlung und Versöhnung gesellschaftlicher Widersprüche beteiligen. Schließlich wird man von Kindesbeinen an dazu gebracht sich möglichst konstruktiv, wenn überhaupt, in die Belange dieser Gesellschaft einzubringen. Und das machen die Leute auch ganz brav. Selbst die, von manchen Linken gerne als kritische Avantgarde des BürderInnentums angeführten «linken GewerkschafterInnen» und ähnliche Verdächtige wissen noch an wen sie sich zu wenden haben: den Staat.

Die «aufständischen AnarchistInnen» (hier durchaus synonym zu gebrauchen für einen Gutteil der sich bewegenden Linken) denken jetzt diesen ganzen bürgerlichen Mist, der sich in die Hirne eingenistet hat könne man mit ein wenig Aufstand, wohlmöglich noch militant, ausräuchern. «Aufständische AnarchistInnen» sollte man dann folgerichtig bald bei allen möglichen Arten des Krawalls in der ersten Reihe sehen. Vielleicht auch mal 1000 Bücher verbrennen, die sind ja eh unnötig für die Kritik der Gesellschaft– brennen muss es.


4 Antworten auf «Aufständischer, unpolitscher Dreck»


  1. 1 acrata 27. März 2010 um 19:52 Uhr

    wer einen satz von Pisacane aus dem 19.jahrhundert als leitmotiv für seine/ihre äusserungen zum „aufständischen ansrchismus“ nimmt, inwieweit ist sie/er ernst zu nehmen? und ob die RadiomacherInnen dem ganzen kriklos folgen kann ich – vor allem im zweiten teil – nicht folgen.
    der hinweis mit dem „verbrennen von 1000 büchern“ ist bösartige polemik, die durch nichts im originaltext belegt ist --- es ging bei pisacane um das ungleichgewicht zwischen theorie und praxis, so wie es auch heute – von einigen der Insurgenten ausgedrückt – nicht um theorien und theoretisieren und dem daraus entsprechenden anteil von macht gibt , sondern um eine durchaus reflektive persönliche praxis

  2. 2 Administratorin 28. März 2010 um 20:28 Uhr

    Tja, nun hab ich das aber getan und deine Empörung darüber, dass das ja nicht sein dürfte macht das von mir geschriebene nicht weniger richtig.
    Was gegen bösartige Polemiken einzuwenden sei weiß ich auch nicht.

  3. 3 mthemba 11. April 2010 um 18:54 Uhr

    „was gegen bösartige polemiken einzuwenden sei“ weisst du nicht?
    na ja, nett, daß du auch was sagen willst – deine gedanken über den artikel zum „aufständischen anarchismus“ sind frei, sind deshalb aber nicht richtig, nur weil du das sagst --- wo du doch selber sagst daß mensch sich konstruktiv einbringen soll – irgendwann scheinst du das vergessen zu haben — ok. lass uns andere weiter unsere sachen tun --- wir wussten kurz, dass es dich gibt

  4. 4 Administratorin 13. April 2010 um 23:24 Uhr

    1. Nein, ich weiß nicht was gegen bösartige Polemiken spricht.
    2. Nein, ich sage nicht, dass meine Gedanken zum aufständischen Anarchismus «frei» seien, ich sage sie sind richtig.
    3. Nein, ich sage nicht, dass man sich konstruktiv einbringen sollte. Ich bin große Freundin destruktiver Kritik an Allem und Jedem.
    4. Nein, ich werde euch nicht in Ruhe das machen was ihr wollt, zumindest nicht solange es falsch bleibt.

    Yuppieschwein.

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