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Auch die Managerin ist eine Feindin.

Aus gegebenem Anlass einige Anmerkungen zur Gleichberechtigung und was sie in der Lage ist für die Frauen* zu tun

Die Deutsche Telekom ist die Speerspitze des bürgerlichen Feminismus. Warum? Weil sie die Frauenquote endlich eingeführt hat. Die Jubelstürme werden nicht auszuhalten sein, gilt die Quote doch tatsächlich als Siegeszug der Frauenbewegung. Dass sie nicht in der Lage ist den Frauen gegen ihre Unterdrückung zu wappnen, sondern im Gegenteil stets das Moment der Verschleierung in sich trägt soll im Folgenden gezeigt werden.

Die Gesellschaft in der wir leben ist von Grund auf eine hierachische, das macht sich an vielen Punkten fest, Gehorsamsstrukturen in Job und Schulen, eine nicht gebrochene weiße Dominanz in Meinungsbildung wie Repräsentanz sowie ein immer noch hierachisches Geschlechterbild zeigen dies beispielhaft auf verschiedenen Ebenen. Die Frauenbewegung hat sich angeschickt zumindest den Letzten, und in ihren schlaueren Auswüchsen auch die anderen, Punkt zu bekämpfen und sich somit ein schöneres Leben zu ermöglichen. Leider wurden die Debatten innerhalb der Frauen-, oder heute Queer-. bewegung oft unter Ignoranz anderer gesellschaftlicher Umstände geführt. Eben diese Ignoranz lässt es erklären, dass zum Teil komischste Theorie aufgestellt werden und zur Erfüllung dieser komischste BündnisgenossInnen ins Boot geholt wurden.
Die Gleichberechtigung ist ein Paradebeispiel dieser Forderungen. Die Quote für alles Mögliche wo Frauen noch nicht zum gerechten Prozentsatz x vertreten sind deren logischste Konsequenz. Aber es ist doch ein komischer Anspruch. Man versucht auf den, sich in rasender Fahrt, befindlichen Zug des kapitalistischen Erfolgs aufzuspringen und will sich vollkommen gleich gegen Männer durchbeißen.

Ein grundlegender Gedanke in den Anfangstagen der Bewegung war die Solidarität untereinander. Heute ist dieser dem des ökonomischen Erfolgs gewichen, der nie ein solidarischer sein kann. Und da ist auch die Sollbruchstelle des Ganzen. Was erwarten die Frauen, die sich hinter die Forderungen nach Quote etc. stellen, denn bitte was passiert? Dass die Differenz im Angesicht kapitalistischer Aneignungszüge plötzlich kuscheliger wird, weil nicht mehr Herbert sondern Emma den Posten der Verantwortlichen inne hat? Dass der Spruch »Die meisten Unternehmen werden von Männern geführt, man sieht ja wohin!« den wahren Kern bei der Art und Weise hat wie Männer nunmal sind und nicht in den Maximen kapitalistischer Produktion hat? Dass es den Frauen tatsächlich besser geht, nur weil ca. 1% von ihnen den per Quote zugewiesen Platz an der Spitze der kapitalistischen Pyramide finden?

Das ist alles grundfalsch. Tatsächlich ändert sich an der Ausbeutung des Großteils der Menschen nämlich gar nichts. Es gibt in den warenförmigen Beziehungen kapitalistischer Gesellschaften keinen Unterschied ob das Managment ein weibliches oder männliches ist, sie alle müssen weiter brav Arbeitsverträge mit denen abschließen, die gezwungen sind ihre Arbeitskraft auf den Markt zu tragen. Das Argusauge, das noch jede Position mit Argwohn betrachtet, nachzählt und im Zweifelsfalle eine wütende Depesche in Auftrag gibt scheint blind für solche bitteren wie banalen Fakten. Gleichberechtigung und verbesserte Karrierechancen helfen also höchstens einige, eh schon priveligierte, Frauen in höhere Ränge zu katapultieren, für den Großteil der Frauen sind sie höchstens ideologische Beruhigungspillen, im Regelfall eher Depressiva, da die gewünschte Stellung, der Erfolg in der Konkurrenz immer ein unerfüllbarer Wunschtraum bleiben wird. Weibliche role models hin oder her.

Des Weiteren trägt die Regelung über Gesetze oder sonstige Verordnungen immer die Gefahr der Verschleierung in sich. Sexistische Denkweisen der Menschen werden keineswegs kritisiert und widerlegt, sondern das Äußern in Wort und Tat dieser mit Sanktionen belegt. Die können von sozialer Ächtung, über Geld- bis hin zu Gefängnisstrafen reichen. Jemanden der von solcherlei Fehlern überzeugt ist können sie aber kaum von ihrem verkehrten Tun abbringen, je nach ideologischer Verblendung des Individuums gar das Gegenteil, also die Verstärkung, bewirken, da es ja offensichtlich schon nicht mehr erlaubt sei seine Grütze der Öffentlichkeit vorzustellen. Maskulinisten etwa haben staatliche Regelungen schon im Effeff ihrer Rechtfertigungen. Die Unterdrückung der Männer, die sich herbeihalluziniert wird findet gerade in staatzlichen Maßnahmen gegen die Unterdrückung der Frauen ihre Argumente, seien es Quoten oder Gender Mainstreaming.

Ein anderer Blindspot, der Forderungen immanent sind ist der die Kritik dessen zu vergessen was eigentlich anstehen würde wenn man sich um einen Feminismus auf Höhe der Zeit bemühen würde und das ist die Kritik des dichotomen in Mann und Frau gespaltenen Blickes auf die Geschlechter, das mit blutigsten Maßnahmen über die herzieht, die sich diesen normierenden Anstarren nicht unterwerfen können oder wollen. Dass es Männer und Frauen gibt muss schon anerkannt werden wenn man sich den gleichen Anteil für Männer wie für Frauen unter den Nagel reißen möchte.

Die Instanz gewordene Abteilung der Frauenbewegung macht sich damit zu willigen HelferInnen einiger weniger Individuen und deren marktwirtschaftlichen Erfolges. Nebenbei sorgen sie dafür, dass Unternehmen wie die Deutsche Telekom sich ganz einfach ein gutes von keiner moralischen Plage mehr geschundenes Gewissen zusammenschustern kann. Frauen* ist jedenfalls keineswegs damit geholfen wenn einige mehr ihrer zukonstruierten Schicksalsgemeinschaft in den Rang derer aufsteigen, die sie dann ausbeuten. Dann aber immerhin ganz gleichberechtigt ohne Rücksicht auf das Geschlecht zu nehmen.